Lärmobergrenzen für Fraport – heute verkündet

P1060028Der hessische Minister Tarik Al-Wazir hat heute seinen Plan zu den Lärmobergrenzen vorgelegt:

„Schon heute sind in der Region 300.000 Menschen allein innerhalb eines Tagesdauerschallpegels von 50 dB(A) stark durch Fluglärm belästigt. Die in diesem Jahr veröffentlichte, bislang umfassendste wissenschaftliche Lärmwirkungsstudie NORAH hatte unter anderem ergeben, dass Menschen immer empfindlicher auf Verkehrslärm reagieren. „Lärm nervt zudem nicht nur, Lärm kann auch ernsthaft krank machen“, sagte Al-Wazir. „Unter Vorsorgeaspekten ist ein unbegrenzter weiterer Anstieg der Lärmbelastung nicht zu verantworten.“

Um den weiteren Anstieg der Lärmbelastung in der Region zu minimieren, soll die Lärmobergrenze die Fläche begrenzen, in der die Lärmbelastung besonders hoch ist. Al-Wazir: „Wir begrenzen also den Lärm, nicht die Flugbewegungen. Dies führt zu einem Anreiz, die einzelne Flugbewegung leiser abzuwickeln. Das kommt der gesamten Region, insbesondere auch den hoch- und höchstbetroffenen Anwohnern zugute.

Konkret sieht das Modell vor, die Gebiete mit hoher Fluglärmbelastung (55 dB(A) und mehr) sowie mit der höchsten Fluglärmbelastung (60 dB(A) und mehr) zu begrenzen. Dabei wird, wie bei Fluglärmprognosen üblich, die so genannte 3- Sigma Regelung angewendet.

Ohne eine Lärmobergrenze könnte die Fläche der hochbetroffenen Gebiete nach den Annahmen des Planfeststellungsbeschlusses in Zukunft um über  11.000 Hektar wachsen. Die Lärmobergrenze greift bereits bei zusätzlichen 3300 Hektar. Das sind 70 Prozent weniger.

In den höchstbetroffenen Gebieten ist eine noch stärkere Begrenzung geplant. Nach den Annahmen des Planfeststellungsbeschlusses könnte diese Fläche noch um über 5100 Hektar zunehmen. Hier greift die Lärmobergrenze bereits bei zusätzlichen 1200 Hektar. Das ist eine Verringerung um 77 Prozent.“

Reaktion: Fraport-Chef Stefan Schulte bezeichnete die vorgestellte Lärmobergrenze als nicht akzeptabel. 

Meine Meinung: Eine Verkleinerung der Flächen mit Fluglärm über 55 bzw. 60 dB Dauerschallpegel gegenüber dem Plan2020 ist sicher sinnvoll. Dies erscheint mir jedenfalls sinnvoller als ein sog. Lärmindex, bei dem indirekt über Umfragen die Lärmwirkung bewertet wird.

Wie dies sich für den Main-Kinzig-Kreis wirklich auswirkt, ist unsicher.

Auf unseren Beitrag zum Thema Lärmkarten kann man sehen, dass die Jahresmittelwerte unsinnig sind, da der Kreis nur von einer Anflugrichtung betroffen ist.

Mittelt man das Einkommen eines Bettlers und eines Millionärs so ergibt sich erstaunlicherweisse, dass beide recht wohlhabend sind.

 

320.000 Menschen gingen auf die Straße – gegen CETA und TTIP

Ergänzung: Der SPD-Parteikonvent hat einen Tag später CETA zugestimmt. Die Sozialdemokraten in Österreich (SPÖ) haben bei einer Mitgliederbefragen mit ca. 90% CETA abgelehnt.
imag0112Die Tagesschau berichtete soeben (17.09.2016, 20 Uhr):

Schlagzeile: Zehntausendfacher Protest gegen TTIP und CETA

Selbst die Polizei veröffentlichte viel höhere Zahlen, die Beteiligung lag danach bei 210.000 bundesweit (lt. Süddeutsche Zeitung)

Die Veranstalter schätzen: 320.000 Menschen hätten demonstriert. In Berlin 70.000 Teilnehmer, in Hamburg 65.000, in Köln 55.000, in Frankfurt 50.000, in Stuttgart 40.000, in München 25.000  und in Leipzig 15.000 Teilnehmer. In den östlichen Städten und in Bayern im strömenden Regen.  Dies sei ein „klares Signal“ an die Politik, so die Veranstalter.

Die IG Fluglärm Hanau-Kinzigtal e.V. war mit Vorstand und Mitgliedern vertreten. Der Zug vom Opernplatz aus wälzte sich langsam durch die Stadt. (Hier einige Handy-Fotos).

 

imag0113 imag0117

 

 

Morgen Samstag 17.09.2016, 12 h Opernplatz Frankfurt: Gegen CETA und TTIP

fackel1Hier ein Info dazu:

Um 12:00 Uhr beginnt die Kundgebung auf dem Opernplatz.
Gegen 13:00 Uhr startet von dort der Demonstrationszug.
Reihenfolge im Zug:

1 Traktor
2 Kuhle Wampe
3 Verdi
4 Fronttranspi
5 Jugendblock
6 attac
7 Gewerkschaften
8 IG-Bau Pyramide
9 SPD
10 Die Linke
11 BUND
12 die Grünen
13 Naturfreunde
14 Greenpeace
15 Bündnis-Lauti
16 Fluglärm Gegner
17 KAB Hessen u. RLP
18 Piraten
19 Ödp
20 Lautstark gegen rechts
21 MAM Frankfurt

 

Fluglärm: Keine Zeitung mehr aus London

bild-aus-vorsprung-mkkso lautet die Schlagzeile am 16.09.2016 in der Online-Zeitung Vorsprung aus Freigericht.

Foto (von links): Maintals Stadtrat Ralf Sachtleber, Erste Kreisbeigeordneter Susanne Simmler und Hanaus Stadtrat Andreas Kowol (Quelle: Vorsprung)

 

„Gemeinsamer Kampf gegen Fluglärm“ ist in der Frankfurter Rundschau zu lesen.

Die Schlagzeile auf der ersten Seite des Hanauer Anzeigers vom 16.09.2016:

anze_2016-09-16-schlagzeile

 

 

In der Mediation zum Ausbau des Frankfurter Flughafen wurde für die „Randzeiten“ ein „allmähliches Anschwellen“ des Fluglärms vereinbart. Die maximale Anzahl der Flugbewegungen in diesen Zeiten ist festgelegt, aber schon vor 05 Uhr dröhnen die Flieger beim Anflug im Kinzigtal. Ist dies notwendig?

Der Main-Kinzig-Kreis ließ zusammen mit den Städten Hanau, Maintal und Neu-Isenburg durch den Deutschen Fluglärmdienst näher untersuchen, was zu Zeit der Nachtruhe transportiert wird. Rund 20 % sind Cargo-Flüge (z.B. die Zeitung aus London), ca. 6 % Touristenflüge und 2% Kurzstrecken. Muss das sein? Für Lkw gibt es z.B. auch ein Sonntagsfahrverbot!

Diese Untersuchung diente der Vorbereitung der nächsten Sitzung der Fluglärmkommission Frankfurt: Man möge durch Verhandlungen mit Fraport und der Lufthansa diese Flüge in andere Zeiten verlagern, lautet der Antrag des MKK und der o.g. Kommunen.

Kommentar aus eigener Erfahrung: DHL Express International transportiert z.B. Bücher aus England. Abends dort aufgegeben, sind sie hier in Rodenbach morgens um 11 Uhr. Erst per Flugzeug nach Leipzig und dann zur Zeit der Nachtruhe von Leipzig nach Frankfurt. Ein Tempo, dass ich gar nicht verlangt hatte. (H. Ladwig)

 

Nur ein Trullo hilft noch

trulloSoweit ist es gekommen: Um Stille zu erfahren und zu genießen zu können, wurde ein Trullo gebaut und vorgeführt.

Hier mehr dazu

Fluglärm, dröhnende Autos und Motorräder, lärmende Güterzüge nerven die Menschen.

Es kommt der Tag, dass im Garten nicht ein Pool oder ein Gartenhäuschen gebaut wird, sondern ein Trullo. Das ist dann eine Geschäftsidee für Start-up Unternehmen.

Erfreulich – Terminal 3 Ausbau verzögert sich um 1-2 Jahre

P1060049Der Ausbau des Frankfurter Flughafen für die geplante Erhöhung der Flugbewegungen auf über 700 000 (statt der bisheringen 486 000),  Stichwort: Terminal 3 verzögert sich um 1-2 Jahre. Eröffnung 2023 (oder später).

RP-Online schreibt in der Ausgabe vom 09.09.2016 (Zitat):

„Der Flughafenbetreiber nimmt sich mehr Zeit, um im Detail zu prüfen, ob es bei den einzelnen Baumaßnahmen für das Terminal 3 Widersprüche gibt, die sich vor den Arbeiten ausräumen lassen.

Der Abschluss der Detailplanungen werde sich dadurch bis Mitte 2017 ziehen. „Wir werden dabei überaus sorgfältig vorgehen und uns deshalb auch die Zeit nehmen, die notwendig ist, um die Qualität der Planung weiter zu erhöhen“, hatte Konzernchef Stefan Schulte erklärt. „Jeder Monat, der in diese Phase investiert wird, zahlt sich später doppelt und dreifach aus.““

Nicht erfreulich: die Baukosten erhöhen sich dadurch.

Noch besser wäre eine völlige Neuplanung. Das reduziert die Kosten (und den künftigen Fluglärm samt Schadstoffen) immens.

Erfreulich – Anzahl der Flugbewegungen in 2016 gesunken

gut beschirmt 146 demoAuszug aus Fraport.de:

Unser Hauptstandort Frankfurt verzeichnete mit gut 61 Millionen Reisenden in 2015 ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Cargoaufkommen war im gleichen Zeitraum mit 2,1 Prozent auf 2,1 Millionen Tonnen leicht rückläufig. Die Flugbewegungen sanken ebenfalls leicht um 0,2 Prozent auf rund 468.000.

 

Leserbriefe zum Thema Fluglärm

RechtaufNachtrucheIm Hanauer Anzeiger vom 20.08.2016 erschien ein Leserbrief von Herrn Peter Garrecht aus Hanau. (zur Vergrößerung auf die Bilder klicken)

Er zitiert seinen Brief an den Minister Tarik Al-Wazier. Der Brief enthält alle Forderungen, die die IG-Fluglärm auch seit Jahren auf allen Ebenen vorträgt. Wichtigster Fortschritt der Bemühungen aller rund 80 Bürgerinitiativen rund um den Flughafen war die richterliche Entscheidung für das Nachtflugverbot, zumindest von 23-05 Uhr. Die Forderung für den Nachtruhe-Zeitraum von 22-06 Uhr bleibt aber bestehen.

 

Sehr geschickt und treffend formuliert Herr Garrecht bezüglich des Einsatzes von mehr Fluglostsen:

„Ach, so, dafür würde angeblich die DFS mehr Personal benötigen? Na, prima, dann wäre doch das gebetsmühlenartig wiederholte Totschlagargument ‚Arbeitsplätze‘ endlich kein Scheinargument mehr“.

Es sind sehr viele (mächtige) Player, die die Ausweitung des Nachtflugverbots und das Schräganflugverfahren im Main-Kinzig-Kreis verhindern. Aber ‚ein ständiges Einknicken der Politik und Justitz‘ stimmt nicht immer (siehe oben). Statt nur Politikverdrossenheit zu beklagen, müssen sich die Bürger (auf allen Ebenen) mehr einmischen, wie auch Herr Garrecht mit seinem Leserbrief.

Für die Ausweitung des NachtflugverbotsLandrat Erich Pippa nahm den Leserbrief von Herrn Garrecht zum Anlass (Leserbrief vom 30.08,2016 im Hanauer Anzeiger), die Politik des Main-Kinzig-Kreises darzustellen, die sehr aktiv die Fluglärmprobleme angeht, aber auch zeigt, wie lange Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft dauern, über die Fluglärmkommission in Frankfurt bis hin zum Bund, um die Bundesgesetzgebung (Luftverkehrsgesetz) zu ändern.

Solche Leserbriefe sind sehr nützlich. Sie zeigen öffentlich, dass die betroffenen Bürger den Fluglärm nicht einfach hinnehmen.

 

 

 

 

 

Keine Ausnahme von der Ausnahme – Nachtflugverbot

gut beschirmt 146 demoIn der Frankfurter Rundschau vom 05.08.2016 (anklicken) erschien im Lokalteil Hanau und Main-Kinzig ein Artikel zum Thema Nachtflugverbot . Hier Auszüge:

„Der Main-Kinzig-Kreis und die Interessengemeinschaft Fluglärm Hanau–Kinzigtal (IGF) warnen vor einem Aufweichen des Nachtflugverbots. Auch Landratskandidat Thorsten Stolz (SPD) spricht sich in einer Mitteilung „klar gegen die Forderung des Flughafenbetreibers aus“, das Nachtflugverbot flexibler zu gestalten. Die Forderungen aus dem Kreis laufen jedoch nicht nur auf eine strikte Einhaltung der Ruhezeit von 23 bis 5 Uhr hinaus, sondern auf eine Ausweitung der Nachtruhe auf 22 bis 6 Uhr, wie es einst als Mediationsergebnis um den Flughafenausbau ausgehandelt worden war.

Auslöser für die erneute Diskussion um Nachtflüge waren die Gewitter in der letzten Juli-Woche. Laut Fraport sollen in einer Nacht 7000 verspätet gelandete Passagiere festgesessen haben, weil kein Flugzeug wegen des Nachtflugverbots mehr rausgehen konnte. Mindestens ein Passagier soll im Terminal deswegen gegen Bodenpersonal einer Airline gewalttätig geworden sein. „Eine modifizierte Nachtflughandhabung mit nur 30 Minuten verlängerten Startgenehmigungen hätte in so einem Ausnahmefall schon geholfen, da alle Maschinen bereits startbereit vor den Bahnen warteten“, teilte seinerzeit Fraport-Vorstand Anke Giesen mit.“

„Nachtruhe muss Vorrang haben

„Der Schutz der Bevölkerung muss mehr Gewicht haben als individuelle Interessen“, sagt Kreisverkehrsdezernent Matthias Zach (Grüne) auf Anfrage der FR. Der Planfeststellungbeschluss enthalte ohnehin einen Passus für besondere Ausnahmefälle. Zach bedauert den unfreiwilligen Aufenthalt der Fluggäste, stellt aber fest: „Bei schlechtem Wetter muss ich einkalkulieren, dass ich auf der Reise hängen bleibe.““

„Thorsten Stolz, SPD-Landratskandidat und Noch-Bürgermeister von Gelnhausen, sieht den Sinn eines Nachtflugverbots darin, dass man sich daran hält und nicht beginnt, dieses aufzuweichen. Er erinnert daran, dass die Forderung vieler Anrainerkommunen und des Main-Kinzig-Kreises lautet, die Nachtruhe um zwei Stunden auszuweiten. Die 2011 von der Deutschen Flugsicherung vorgenommene Absenkung des Landesanflugs auch über dem Kreisgebiet und die Eröffnung der neuen Nordwest-Landebahn haben für die Menschen im Main-Kinzig-Kreis über die bisherige Fluglärmbelastung hinaus „eine neue Betroffenheit geschaffen“, so Stolz.

Die aktuelle Begründung der Fraport für eine Aufweichung des nächtlichen Flugverbots ist auch für die IGF nicht verhandelbar. „Mit dem Flughafenbau sind mehr als 70 000 Menschen allein im Main-Kinzig-Kreis der verstärkten Fluglärmbelastung ausgesetzt, und das chronisch“, so IGF-Vorsitzender Eric Ludwig. Das wegen des Juli-Gewitters so viele Passagiere auf Rhein-Main übernachten mussten, ist laut Ludwig auch der Planung der Fraport zuzuschreiben. „Immer mehr Flüge werden an die Tagesrandzeiten platziert, was aber nur unter optimalen Bedingungen reibungslos funktioniert.“ Komme es zu einer Verzögerung, breche das Gefüge auseinander. „Das ist schlicht eine Fehlplanung der Fraport, unter der lärmbetroffene Bürger nicht leiden dürfen“, sagt Ludwig, der wie andere aus der IGF an der Montagsdemo in Terminal 1 teilnimmt.

Denn nicht nur gegen den Status quo wird dort protestiert, auch gegen eine weitere Steigerung der Flugzahlen. Dies könnte etwa durch das umstrittene Terminal 3 erfolgen, in dem jährlich rund 15 Millionen Fluggäste abgefertigt werden sollen, so viel wie derzeit auf dem Hamburger Airport. Zach sieht in dem Bau nicht nur zu wenig Widerstand der Landes-Grünen, sondern auch eine unnütze Investition. „Die Fluggastzahlen bewegen sich nach unten“, sagt er.“